Gründung einer gemeinnützigen Stiftung bzw. Zustiftung im Jahr 2008

Der Bundesrat hat im August 2007 das Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements beschlossen, wodurch die Steuervorteile für Stifter rückwirkend zum 1. Januar 2007 geändert und wesentlich erhöht worden sind.

Steuerliche Vorteile für den Stifter sind:

  • Mehrfach steuerwirksamer Spendenabzug:
    Spenden sind bei der Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer bis zu einem Höchstbetrag von 20% des Gesamtbetrags der Einkünfte oder 0,4 % der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter abzugsfähig.
    Einzelzuwendungen, die die vorstehenden Höchstsätze übersteigen, können auch in nachfolgenden Veranlagungszeiträumen abgezogen werden (sog. Großspendenregelung).
    Weiterhin sind bei der Einkommen- und Gewerbesteuer innerhalb eines Zehnjahreszeitraums zusätzlich EUR 1.000.000,00 abzugsfähig, und zwar auch für spätere Zuwendungen in den Vermögensstock einer gemeinnützigen Stiftung.
    Dieser Betrag kann als einmaliger Abzug in voller Höhe im Jahr der Zuwendung abgezogen werden oder auf bis zu zehn Jahre frei verteilt werden. Er kann in zehn Jahren einmal in Anspruch genommen werden und gilt auch für Einzelunternehmen oder Personengesellschaften, aber nicht für Zuwendungen von Körperschaften (z.B. GmbH, AG).
    Die Bewertung der Zuwendungen erfolgt mit dem Verkehrswert und bei Sachspenden aus Betriebsvermögen, die zum Buchwert entnommen wurden, mit dem Buchwert. Rechtsgrundlagen sind § 10b Abs. 1, 1a EStG, § 9 Nr. 2 KStG, § 9 Nr. 5 GewStG.
  • Nachträgliches Erlöschen der Erbschaft- und Schenkungsteuer: Überträgt der Erbe oder Beschenkte innerhalb von 24 Monaten nach dem Erbfall bzw. der Schenkung das Vermögen ganz oder teilweise auf eine steuerbegünstigte Stiftung, erlischt regelmäßig die Erbschaft- oder Schenkungsteuer mit Wirkung für die Vergangenheit, § 29 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG.
  • Buchwertprivileg für Sachspenden von Unternehmen: Werden Wirtschaftsgüter aus dem Betriebsvermögen eines Unternehmens auf die steuerbegünstigte Stiftung übertragen, kann das Wirtschaftsgut mit dem Buchwert (auch zuzüglich Umsatzsteuer) angesetzt werden.
    Der Stifter kann hierdurch Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer sparen, da die Wertsteigerungen während der Zugehörigkeit des Wirtschaftsguts zum Betriebsvermögen insoweit nicht erfasst werden. Der Wert der Sachspende wird dadurch allerdings auf den Buchwert (zuzüglich Umsatzsteuer) begrenzt.

Steuerliche Vorteile für die Stiftung selbst sind:

  • Keine Körperschaftsteuer: Steuerbegünstigte Stiftungen sind von der Körperschaftsteuer grundsätzlich befreit, § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG. Ausnahme ist nur ein sog. steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb oder steuerpflichtiger Betrieb gewerblicher Art.
  • Keine Gewerbesteuer: Steuerbegünstigte Stiftungen sind von der Gewerbesteuer befreit, § 3 Nr. 6 GewStG. Ausnahme ist wiederum ein sog. steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb oder steuerpflichtiger Betrieb gewerblicher Art.
  • Keine bzw. ermäßigte Umsatzsteuer: Die Umsätze der steuerbegünstigten Stiftung sind von der Umsatzsteuer befreit zum Beispiel in der Bereichen Wohlfahrtspflege, als Vermietungsumsätze oder als Umsätze aus Kapitalanlagen.
    Leistungen eines Zweckbetriebes der Stiftung oder der Vermögensverwaltung unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz, § 12 Abs. 2 Nr. 8a UStG. Dies gilt nicht für Leistungen, die im Rahmen eines steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs oder eines steuerpflichtigen Betriebs gewerblicher Art ausgeführt werden – es sei denn, dass die Leistung aufgrund einer anderen Regelung ohnehin dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterliegt oder umstatzsteuerfrei ist, zum Besipiel die Leistung bestimmter Bildungseinrichtungen.
  • Keine Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuer: Unmittelbar von der steuerbegünstigten Stiftung ererbtes oder an sie gestiftetes Vermögen ist von der Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit, § 13 Abs. 1 Nr. 16b ErbStG. Eine vom Erblasser im Testament angeordnete Stiftung muss die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit erst im Zeitpunkt der Entstehung der Erbschaftsteuer erfüllen.
  • Keine Grunderwerbsteuer: Die Übertragung von Grundstücken auf eine steuerbegünstigte Stiftung ist von der Grunderwerbsteuer befreit, § 3 Nr. 2 GrEStG. Ausnahme ist der entgeltliche Erwerb von Grundstücken durch die Stiftung, sofern das Grundstück nicht gerade dem steuerbegünstigten Zweck dient.
  • Keine Grundsteuer: Nutzt die Stiftung das Grundstück für steuerbegünstigte Zwecke, so fällt keine Grundsteuer an, § 3 Abs. 1 Nr. 3 GrStG. Ausgenommen sind Wohnungen – unabhängig davon, ob sie für den steuerbegünstigten Zweck genutzt werden oder nicht.